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Haus im Grünen - Umbau eines 50er Jahre Hauses
Haus im Grünen - Umbau eines 50er Jahre Hauses
Haus im Grünen - Umbau eines 50er Jahre Hauses

Haus im Grünen

Am ländlichen Stadtrand von Münster haben Andreas Unger und seine Frau Kaja Große-Oetringhaus ein Häuschen aus den 1950er Jahren mit viel Liebe zum Detail renoviert.

 

Acht auf achteinhalb Meter und knapp hundert Quadratmeter Wohnfläche. Viel größer ist es nicht, das „Haus im Grünen“, wie Andreas sein Zuhause gern nennt. Es ist der Altenteiler eines Hofes zwischen Roxel und Albachten, Ende der 1950er Jahre mit viel Eigenleistung gebaut. Das Fundament mit den Nachbarn per Hand ausgeschippt, die Mauern noch nach Feierabend hochgezogen. Kleine Fenster, wie es damals üblich war. Klinkerfassade.

Ein halbes Jahrhundert später ist das schlichte Häuschen fast komplett zugewuchert. Von der Straße aus ist es kaum noch zu sehen. Der Keller steht halb unter Wasser, das Inventar ist fast verrottet. Wegen eines tragischen Familienschicksals sind Gebäude und Grundstück über Jahre vernachlässigt worden. Andreas lässt sich davon nicht abschrecken. Es ist das richtige Objekt, sich einerseits handwerklich auszuprobieren und andererseits die individuellen Vorstellungen von behaglichem Wohnen zu verwirklichen.

Dabei galt es immer wieder abzuwägen. Die Fenster vergrößern, um die Räume nach außen zu öffnen und mit Licht zu fluten? Oder dem Wunsch nach heimeliger Abgeschiedenheit folgen und die Fenster lassen, wie sie sind? Andreas entschied sich für letzteres. Ein ästhetischer Grund erleichterte die Entscheidung: Große Fenster hätten die Optik der Fassade empfindlich gestört.

Geblieben ist auch die Klinkerfassade, allerdings nicht im ursprünglichen Zustand. Als das Haus nach dem Kauf 2014 endlich entrümpelt war, wurde es bis auf den Rohbau zurückgebaut. Das Dach wurde abgedeckt, die Klinkersteine wurden abgeschlagen, Fußböden, Fenster und Türen herausgerissen. Zwanzig Zentimeter vor die alten wurden neue Fundamente gesetzt und die Klinker wieder aufgemauert, nachdem die Ziegelwände mit einer Wärmedämmschicht versehen waren. „Wir haben aus dem nahezu ungedämmten ein KfW 55-Haus gemacht“, sagt Andreas. „Das ist der beste Wärmedämmstandard für Bestandsgebäude.“

Die Heizzentrale ist in eine neu errichtete Scheune gezogen, deren Dach mit einer 6,4 kW-Fotovoltaik-Anlage versehen ist. Hiermit kann eine Wärmepumpe  betrieben werden. Momentan wird das Haus mit Scheitholz geheizt. Ein gemütlicher Kaminofen mit Wassertasche versorgt vom Wohnzimmer aus die Fußbodenheizung und heizt das Brauchwasser auf. Im Sommer sorgt eine Solarthermieanlage für warmes Duschwasser.

Bei der Planung und Umsetzung ging es Andreas vor allem darum, sich selbst zu verwirklichen. An vielen Abenden frickelten er und seine Frau mit Jonathan und Arvid Gröne an den Plänen. Es wurde über die Aufteilung der Räume gesprochen, über das Material für Fußböden und Türen. Sowohl bei der Wahl der Baustoffe als auch bei der Wahl der Handwerksbetriebe wurde sehr auf Regionalität geachtet. Das Holz – „ein riesiger Haufen sägeraue Eiche“ – stammt aus einem Wald bei Rheda-Wiedenbrück, die Fliesen aus einem Bauernhaus in der Nähe. Die Holzfenster hat die Tischlerei Heubrock aus Münster gebaut, die Zimmerei Jäger hat die neuen Dachfenster montiert.

Vom Kauf bis zum Einzug gingen zwei Jahre ins Land. Zeit, die man sich nehmen muss, wenn man ein Haus mit viel Eigenleistung grundlegend renovieren möchte. Gemeinsam mit seiner Frau Kaja hat Andreas so viel wie möglich selbst gebaut – und erfuhr immer wieder die Hilfe von Freunden und Bekannten: Beim Abdecken des Dachs hat die ganze Firma mitgeholfen. So konnte sich der leidenschaftliche Bastler in allen Gewerken ausprobieren, was ihm bei seiner Arbeit als Bauleiter zugute kommt. Andreas: „Zimmerei, Tischlerei, Maurerei, Beton- und Trockenbau, ich habe viel zugeschaut, viel abgeschaut und viel dabei gelernt.“

2019 kam der zwanzig Quadratmeter große Büroanbau ans Haus. Dort ist die Münsteraner Außenstelle der Gröne Unternehmensfamilie untergebracht. Wohnen und Arbeiten sind damit unter einem Dach vereint. Stadtnah auf dem Land, „wo ich Platz habe“, sagt Andreas. Den Platz zwischen den Feldern hat er durch die Umwidmung von Acker- in Grünland gewonnen. Eine große Streuobstwiese ist sein Beitrag zur Artenvielfalt in einer von landwirtschaftlich geprägten Gegend.

Was ihn der Umbau noch gelehrt hat? „Die Architektur von früher hat immer ihre Berechtigung, auch wenn die Gründe für eine planerische Entscheidung nicht auf den ersten Blick nachvollziehbar sind.“ Das Erdgeschoss etwa liegt auf achtzig Zentimeter Höhe, das Haus ist nur zu Hälfte unterkellert. Kein Mensch würde heute so planen. Nachvollziehbar wird das nur, wenn man die historischen Hintergründe und die örtlichen Gegebenheiten berücksichtigt. So wurde die Baugrube per Hand ausgeschippt – Maschinen wären einfach zu teuer gewesen. Den Keller wurde wegen des hohen Grundwasserspiegels nicht so tief gelegt, dass es ebenerdig ins Haus geht.

Sieben Jahre nach dem Kauf des Hauses fühlt sich Familie Unger im neuen Zuhause angekommen. „Es kommt mir uns vor, als würden wie schon immer hier wohnen.“