Mit Stroh in die Zukunft des Bauens

In Delbrück in Ostwestfalen wird das Bauen revolutioniert – mit einem Haus aus Holz, Stroh und Lehm

 

Pionier auf dem Weg zur Ziellinie

Am 9. September fand am Rellerweg in Delbrück das Richtfest für ein Pionierstück nachhaltigen Bauens statt: Hier entsteht ein Einfamilienhaus aus Holz, Stroh und Lehm, das voraussichtlich im Sommer 2024 einzugsbereit sein wird. Bauherr Arvid Gröne feierten zusammen mit seiner Familie mit den beteiligten Handwerkern, Nachbarn und Freunden, die Aufschlagung des Dachstuhls. Nach der Fertigstellung des Rohbaus werden in den nächsten Monaten die Eindeckung und der Innenausbau erfolgen.

 

Nachwachsende Baustoffe

Der Neubau ist ein Prototyp für eine neue Art ökologischen Bauens mit Stroh. Statt herkömmlicher OSB-Platten kommen Strohplatten zum Einsatz. Die Wände werden mit Strohhäckseln gedämmt und kommen ohne Dampfbremsfolie aus. Architekt und Bauherr Arvid Gröne erklärt, warum Stroh das ideale ökologische Dämmmittel ist: „Es kommt ohne gesundheits- bzw. umweltschädliche Kleber, Bindemittel und Folien aus, hat eine höhere Dichte als herkömmliche Dämmstoffe wie Holzwolle oder Zellulose und bietet dadurch einen deutlich besseren Hitzeschutz.“ Besonders ressourcenschonend ist Stroh auch deshalb, weil es bei der Weizenproduktion ohnehin als Beiprodukt anfällt und deutlich schneller nachwächst als beispielsweise Holz. Beim Bau gilt zu beachten, dass Stroh empfindlich gegenüber Nässe ist, weshalb es erst zum Einsatz kommen sollte, wenn Dach und Wände es vollständig vor Regen schützen. Ergänzt wird der Baustoff Stroh durch einen weiteren Baustoff, den man eher mit historischen Gebäuden in Verbindung bringt: Lehm. Eine Wand aus Stampflehm-Fertigteilen komplementiert das Ensemble ökologischer Materialien. Lehm hat den Vorteil, dass er, wie ein wassergeführtes Flächenheizsystem, Wärme länger speichert als Luft. Lehm ist außerdem besonders gut für das Raumklima, weil er Feuchtigkeit aufnimmt und puffert: Bei nächtlicher Querlüftung kommt es zur Absonderung kleinster Tröpfchen an die Raumluft, die einen zusätzlichen Kühl-Effekt haben. Die Heizkabel der durch Photovoltaik betriebenen Elektro-Direkt-Heizung sind in der Lehmwand gleich mit verarbeitet. Stroh und Lehm zeigen, dass es nicht immer komplizierte, wartungsintensive Technologie braucht, um ein Haus energieffizient und klimaresilient zu machen: Mit einfachen und naturnahen, „intelligenten“ Baustoffen können nachhaltigere und oft auch preiswertere Lösungen gefunden werden. Damit ist das Haus im Rellerweg 11 ein Paradebeispiel für „einfaches Bauen“, bei dem Bauherren auch viel selber machen können. Dies sorgt nicht nur für Kosteneinsparungen, sondern auch für das Gefühl, sein Zuhause mit eigenen Händen errichtet zu haben.

 

Klimafreundliche Bauweise

Der Neubau fügt sich mit einer verhältnismäßig kleinen und schmal angelegten Grundfläche von knapp 100 m2 in ein Grundstück am Waldrand, auf dem sich bereits ein Altbau befindet, so ein, dass in den dort vorhandenen Baumbestand nur minimal eingegriffen werden musste. Das Haus ist auf einem niedrigen Betonsockel errichtet, der die darauf platzierte vorgefertigte Holzrahmenkonstruktion mit Holz- und Lehmwänden vor Feuchtigkeit und Fäulnis schützt. Die Bauweise mit vorgefertigten Holzrahmen hat den Vorteil, dass der Rohbau innerhalb einer Woche steht. Ein Holzbau dieser Art hat durch den minimalen Einsatz von Beton und den Verzicht auf Stahl einen besonders niedrigen C02-Fußabdruck. Außerdem sind die Baustoffe insgesamt leichter als bei herkömmlichen Bauweisen, was insbesondere bei einem kleinen Grundriss auch einen geringeren Beitrag zur Bodenverdichtung bedeutet, was ebenfalls zu Umwelt- und Klimafreundlichkeit beiträgt.

 

Tradition trifft Moderne

Und wie sieht so ein modernes „Stroh-Haus“ am Ende aus? Wie bei den Baustoffen treffen sich auch in der Gestaltung im Entwurf von Gröne Architektur GmbH Tradition und Innovation in einer schlichten, modernen Ästhetik. Das Dach ist ein Ziegeldach mit einseitiger Photovoltaik-Anlage, das sich an der regionalen Bauweise der umgebenden Gebäude orientiert. Während modere Elemente wie große Fenster die Holzfassade prägen, werden traditionelle Elemente wie die Fachwerk-Deele neu interpretiert durch große, mehrere Geschosse umfassende Fassadenöffnungen, die den Außenraum mit in den Innenraum einbeziehen. Das Innere des Hauses ist ganz auf modernes Wohnen ausgerichtet: Hier gilt die Devise, auf möglichst kleiner Fläche ein möglichst großzügiges Raumgefühl zu schaffen. Dies gelingt auf zwei Vollgeschossen und einem Spitzboden durch Öffnungen und Durchbrüche zwischen den Ebenen, die vielfältige Blickbeziehungen ermöglichen. Ein Galeriebereich öffnet sich zum Dachgeschoss. Das Raumprogramm basiert auf der Idee, Rückzugsräume klein zu halten und dafür viel Raum zu schaffen für flexibel nutzbare gemeinschaftliche Bereiche zum Wohnen, Kochen, Essen und Spielen. Damit ist das auf vier Personen ausgelegte Haus auch besonders kindgerecht. Es zeigt sich, dass rund 100 m2 Gesamtfläche für eine vierköpfige Familie durchaus luftig wirken können.

 

Ausblick

Am bisherigen Bauprozess betont Architekt und Bauherr Arvid Gröne die Offenheit aller beteiligten Parteien vom Zulieferer bis zum Zimmermann für die besonderen Herausforderungen des Projekts. Für das Gelingen eines solchen Experiments sei die enge Zusammenarbeit und das gegenseitige Vertrauen der verschiedenen Gewerke, Expertisen und Sichtweisen unerlässlich. Der Verlauf des Bauvorhabens bis zum Richtfest habe gezeigt, dass diese Bedingungen gegeben seien, weshalb er auch der Fertigstellung mit großem Optimismus entgegenblicke. Mit dem Projekt im Rellerweg 11 leisten Gröne Architektur und Handwerk durch den ressourcenschonenden Umgang mit Baumaterialien und eine reduzierte, optimal genutzte Wohnfläche einen wichtigen Beitrag zu der drängenden Frage, wie nachhaltiges Bauen gelingen kann. Der Prototyp des „Stroh-Hauses“ gibt Einblicke in das Wohnen der Zukunft, räumt auf mit dem Vorurteil, dass nachhaltiges Bauen kostenintensiver ist, und wird hoffentlich bald Schule machen.

 

Gröne Unternehmensfamilie

Die Gröne Architektur GmbH ist Teil der Gröne Unternehmensfamilie aus Delbrück. In dritter Generation entwickelt das Architekturbüro unkonventionelle Ideen und überraschende Lösungen. Die besondere Leidenschaft für denkmalgeschützte Gebäude, Umnutzungen und Sanierungen von Bestandsgebäuden und der Pioniergeist für nachhaltige Lösungen wie dem modernen Strohbau prägen die Arbeit von Gröne Architektur. Komplettiert wird die Unternehmensfamilie durch die Abteilung Immobilien für die Immobilienberatung und -vermarktung und die Abteilung Handwerk, die mit eigenem Sägewerk und Maurer-, Zimmerer- und Tischlerarbeiten die Projekte bis zum letzten Stein begleitet. In allen Abteilungen der Gröne Unternehmensfamilie gehen Tradition und Zukunftsgewandtheit ganzheitlich Hand in Hand, um eine lebenswerte Zukunft zu gestalten.

 

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